Schlechtes Deutsch - Gedanken zur deutschen Aussprache in den audiovisuellen Medien

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Immer wieder fällt dem Autor dieser Zeilen die schlechte Aussprache von Moderator(inn)en, Nachrichtensprecher(inn)en und Korrespondent(inn)en auf.
Von wenigen lobenswerten Ausnahmen abgesehen (zu Beginn dieser Seite im Jahre 2004 sprachen im Radio des Deuschlandfunks immerhin noch die meisten Nachrichtensprecher/innen - leider nicht alle Kommentator/innen - noch richtiges deutsch; heute ist diese Zahl leider auch geschrumpft...) hat sich bei den meisten von ihnen die vor allem in nördlicheren Gefilden sehr verbreitete Angewohnheit durchgesetzt, Ä-s wie E-s auszusprechen. Als Süddeutscher Baden-Württemberger (Süddeutschland besteht tatsächlich nicht nur aus Bayern!) erhebe ich durchaus nicht den Anspruch, das beste Hochdeutsch zu SPRECHEN; aber ich vertrete - im Gegensatz zu vielen Baden-Württembergern (Werbeslogan "Wir können alles ... außer Hochdeutsch") die begründete Ansicht, dass in Norddeutschland kein besseres Hochdeutsch gesprochen wird als in unserem "Ländle".

Das ä weist in vielen Wörtern auf deren Etymologie hin (u.a. bei lateinisch-stämmigen Wörtern - z.B. kommt "Qualität" von qualitas, qualitatis, ebenso stammt die meist königliche "Majestät" von maiestas, maiestatis ab). Dies gilt gleichwohl auch für deutschstämmige Wörter. Der Schäfer beispielsweise heißt so, weil er mit Schafen zu tun hat, und Räder sind die Mehrzahl von Rad und haben absolut nichts mit den Eigentümern von Schifffahrtsgesellschaften (Reedern) - tausendfach gehört - zu tun. Oder wenn in Nachrichten von Aktionen des "Militeers" die Rede ist (lat.: militaris" soldatisch, den Kriegsdienst betreffend >Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache), muss man sich eigentlich immer wieder die Frage stellen, wieviele LKW-Ladungen von Teer da wohl (möglicherweise auf Kosten von uns Steuerzahlern?) eingesetzt worden sind...

Nun könnte man sagen: "Warum kommt es dann auf eine deutlich unterscheidende Aussprache an?" Darauf lautet eine weitere Antwort: "Weil eine falsche Aussprache oftmals blanken Unsinn hervorbringt".
Dazu einige Beispiele, wie sie schon tausendfach in Radio und Fernsehen zu hören waren:

Die Lottozahlen ohne Gewehr zu verkünden, entbehrt wenigstens nicht einer gewissen Situationskomik, da man sich vorstellen kann, dass der/die betreffende Sprecher/in die zuhörenden Lottospieler/innen noch einmal ausdrücklich ermahnen möchte, sich nicht das Leben zu nehmen, wenn man keine sechs Richtigen hat.

Beeren trotten - entgegen der Meinung vieler Sprecher(innen) - durchaus nicht brummend durch die Wälder auf der Suche nach Nahrung, sondern wachsen an Sträuchern und Bäumen, und können sich daher also nicht selbständig fortbewegen.

Wenn eine Kunstausstellung in "schlecht ausgeleuchteten Seelen" (O-Ton Deutschlandfunk ... bedauerlicherweise!) stattgefunden hat, stellt sich die Frage, ob man dies unserem Schöpfer oder den Organisatoren der Ausstellung vorwerfen muss.

Wenn von Personen die Rede ist, die infolge einer Krankheit oder eines Unfalls gelehmt sind, könnte man flapsig erwidern "Dann wasch den Lehm doch einfach ab!" Nur ist das Thema eigentlich zu ernst für Witze dieser Art.

Geradezu grotesk wird es aber, wenn immer wieder von Flughefen gesprochen wird. Hefen (als Mehrzahl von Hefe) kommen u.a. bei der alkoholischen Gärung oder beim Auftreiben eines Brotteiges zum Einsatz, aber nicht als Knotenpunkt bei der Fortbewegung von Menschen oder Frachtgut durch die Luft. Auch habe ich bisher noch nicht davon gehört, dass diese Hefen sich selbst fliegenderweise verbreiten - biologisch versiertere Leser dürfen mich natürlich eines Besseren belehren, wenn dem doch so sein sollte.

Zum Schluss noch ein kleiner Exkurs in die Welt des Films. In "King Arthur" hörte ich neulich tatsächlich den idiotischen Satz "Du reitest als Speer voraus". Abgesehen davon, dass mir kein einziger Speer bekannt ist, der die Kunst des Reitens beherrscht, ist die einzige Aufgabe eines solchen, von Menschen zum Zwecke des Sports oder des Kampfes geschleudert zu werden! - Falls einige Sprachdilettanten immer noch nicht gemerkt haben, um welchen Begriff es dem deutschen Synchron-Sprecher ging ... gemeint war der Späher...

Abgesehen davon, dass also die falsche Aussprache oftmals unsinnig ist, dient sie auch ganz allgemein gesprochen nicht gerade der Verständlichkeit, ganz besonders im Hinblick auf Menschen mit nachlassendem Gehörsinn (die "ältere Generation") oder Menschen, die (noch) nicht besonders gut deutsch sprechen und verstehen, also Migrant(inn)en.

Bei Personen wie Politikern oder anderen Promis, die gelegentlich im Fernsehen auftreten, sind solche Dialekt-Varianten durchaus zu entschuldigen, aber beim anfangs erwähnten Personenkreis, dessen Beruf sich ja überwiegend um die Anwendung und Verbreitung der deutschen Sprache dreht, sollte man es aus einer professionellen Einstellung heraus als selbstverständlich ansehen, sich eine sinnverzerrende Aussprache abzugewöhnen zugunsten einer korrekten und dem Sinn entsprechenden deutschen Hochlautung, wie sie in jedem Wörterbuch zu finden ist (man fragt sich dabei unwillkürlich, ob diese Damen und Herren überhaupt eine professionelle Sprecherziehung genossen haben, und, falls ja, bei was für unprofessionellen Lehrkräften!!). Schauspieler und andere Fernsehleute aus Österreich und der Schweiz (ich denke da z.B. an einen populären Meteorologen) zeigen einen besonderen Eifer beim Erlernen der norddeutsch gefärbten Dialektvariante - wohl in der irrigen Annahme, es handele sich dabei um Hochdeutsch... sie sollten sich lieber die weiter unten aufgeführten Kolleg(inn)en als Vorbild nehmen.

Auch der Rechtschreibung unserer Kinder - PISA lässt grüßen - wäre eine korrektere Aussprache in den Medien sicherlich nicht abträglich.

Ich habe lange gezögert, aber da die Personen, die in den audio-visuellen Medien (noch) gutes Deutsch repräsentieren, leider immer rarer werden, möchte ich hier eine Positivliste* beginnen, die ich jederzeit gerne und mit großer Genugtuung ergänze (Hinweise per eMail nehme ich dankbar entgegen - schließlich höre ich auch nicht 24 Stunden am Tag Radio und sehe auch nicht ständig fern).


Positivliste von Repräsentant(inn)en guter deutscher Aussprache in den audio-visuellen Medien (kleinere Ausrutscher toleriert):

Susanne Daubner (Nachrichtensprecherin/Journalistin)
Katja Horneffer (TV-Meteorologin)
Gert Scobel (TV-Moderator/Journalist)
Thorsten Schröder (Nachrichtensprecher/Journalist)
Sandra Maischberger (Talkmasterin/Journalistin)
Sven Plöger (TV-Meteorologe)
Anne Will (TV-Moderatorin/-Journalistin)
Johannes B. Kerner (Talkmaster - zeicht allerdings gelegentliche Schwächen)
Valerie Haller (Nachrichtensprecherin/Journalistin)
Jens Riewa (Nachrichtensprecher/Journalist) [hatte sich einmal mehrere böse Ausrutscher in Folge geleistet "gefehrdet, Vertrege, 150-jehrige Geschichte, ohne Gewehr" - dies alles in derselben Sendung am 24.5.06 - aber da er sich in letzter Zeit deutlich gebessert hat, steht er vorläufig wieder hier...]
Martina Meisenberg (TV-Moderatorin/Journalistin)
Claus Kleber (Nachrichtensprecher/Journalist)
Gundula Gause (Nachrichtensprecherin/Journalistin)
Katja Wölfing (TV-Moderatorin/Journalistin)
Steffen Seibert (Nachrichtensprecher/Journalist)
Wolfgang Heim (Radio-Moderator/Journalist)
Anne Gesthuysen (TV-Moderatorin/Journalistin)
Judith Rakers (Nachrichtensprecherin/TV-Journalistin ... dass sie den Begriff "Dow Jones" wie "blow" anstatt richtigerweise wie "now" ausspricht, trübt lediglich ihre Englisch-Kenntnisse, jedoch nicht ihre sehr vorbildliche deutsche Aussprache ... kleiner Lapsus in den Tagesthemen vom 9.11.10: genauso wie MINDESTENS 90% der deutschen Journalisten (und auch der Rest der Bevölkerung) sprach sie das Wort "Pogrom" (aus dem Russischen) fälschlicherweise als "Progrom" aus ;-)
[...Mark Bator (Nachrichtensprecher) wird es wohl nicht mehr packen ... er hatte sich eine Zeit lang gebessert, so dass Hoffnung bestand, ihn dauerhaft als Sprachvorbild hier belassen zu können [in den Tagesthemen vom 9.5.07 sagte er richtigerweise "europäisch"] ... aber im nächsten Satz kam schon wieder militeerisch vor und in den Tagesthemen vom 12.11.09 "besetzten Studenten die Hörseele" - was für ein Quatsch!!! ... er wird's wohl nicht mehr lernen (jüngeres Beispiel "Verspeetungen" in den Tagesthemen vom 3.3.2011) und jüngstes Beispiel "Am bescheedigten Atomkraftwerk Fukushima" und - wieder mal "Militeer" in den Tagesthemen vom 31.3.2011 (der Sprecher für die Film-Sequenzen machte dagegen ALLES richtig!)...]
Marietta Slomka (Nachrichtensprecherin/Journalistin - hat allerdings ebenfalls noch nicht realisiert, dass das Wort "Militär" nicht von dem Straßenbelag "Teer" abgeleitet ist, sondern vom lateinischen "militaris")
Peter Hahne (TV-Journalist)
Stefan Siller (Radio-Moderator/Journalist)
Patricia Schäfer (TV-Moderatorin/Journalistin)
Constanze Pollaschek (Nachrichtensprecherin/Journalistin)
Yvonne Ransbach (TV-Moderatorin/Journalistin)
Astrid Prit (Nachrichtensprecherin/Journalistin)
Petra Gerster (Nachrichtensprecherin/TV-Journalistin)
Tom Buhrow (Nachrichtensprecher/Journalist)
Annika de Buhr (Nachrichtensprecherin/TV-Journalistin)
Karen Webb (TV-Moderatorin)
Michael Pawitz (Nachrichtensprecher)
Ines Riedel (Nachrichtensprecherin)
Hans Peter Bögel (Sprecher in Dokumentationen)
Jörg Schönenborn (Nachrichtensprecher/Journalist)
[Yve Fehring (TV-Moderatorin) ... die Hoffnung schwindet immer mehr, wenn sie z.B. von einem "gelehmten Patienten" (nano 12.10.2010) spricht... oder "Wehle deine Waffen" (nano 15.11.2010) - Hey - 'wählen' kommt von 'Wahl' ... und nicht von oh weh, oh weh!!!]
[Caren Miosga (Nachrichtensprecherin) scheint tatsächlich zu üben: in den 'Tagesthemen' vom 2.2.2011 sagte sie "Bauprojekt gefährdet die Serengeti"; aber schon im nächsten Satz kam "Das Regime schleegt im wahrsten Sinne zurück" und in den Tagesthemen vom 25.3.2011 sagte sie "Nach tagelanger Diskusion" ... also, Frau Miosga: weiterüben mit den auf dieser Seite aufgeführten 'Fettnäpfchen';o)!]

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