Gilberto Gil – KurzbiografieÜbersetzung und Redaktion*: Johannes Asal Gilberto Passus Gil Moreira wurde am 26. Juni 1942 unter dem
Sternbild des Krebses in Salvadors traditionellem Viertel Tororó
geboren, ganz in der Nähe, wo auch zwei weitere musikalische Genies
von Bahia auf die Welt gekommen waren: Assis Valente und Dorival
Caymmi.
Die Jahre vergingen, und Gil ließ sich - nunmehr bereits mit der
Gitarre bewaffnet - von der Bossa Nova faszinieren. 1963 lernte er einen
jungen Mann aus Santo Amaro da Purificação kennen, Caetano
Veloso, der ihn bald auch seiner Schwester, Maria Bethânia,
vorstellte. Gil arbeitete beim Zoll - es war seine erste Anstellung - und
besuchte nebenher die Fakultät. Nach dem Dienst und den Seminaren
traf er sich dann mit dem neuen Freundeskreis, dem auch Gal Costa
und Tomzé angehörten.
Aber alles geschah sehr schnell und bald mischte die Musik sich ein.
Er zog nach São Paulo, wo er nach einem kurzen Praktikum als Verwaltungsangestellter
einer multinationalen Reinigungsmittel- und Kosmetikfirma eine Single-Schallplatte
mit den Liedern Roda und Procissão aufnahm, und dann
die LP Louvação, während er regelmäßig
in Fernsehsendungen auftrat. Schließlich kam das entscheidende Jahr:
1968. Gil tauchte, bereits von seiner Frau geschieden, zusammen mit Caetano
und der Gruppe mit dem Namen Grupo baiano endgültig ins Universum
der Música Popular Brasileira ein. Damit nahm eine Revolution
mit dem Namen Tropicália ihren Anfang.
Erst 1972 kehrt das tropicalistische Duo in die fröhlich-traurigen
Tropen zurück, um nunmehr auf dem Wellenkamm der gegenkulturellen
Bewegung zu segeln. Gil bekommt noch zwei Töchter von Sandra: Preta
und Maria. Er zieht nach Bahia, vertieft seine mystische Reise und widmet
sich auf der Gitarre und im Gesang tonalen Entdeckungsreisen.
Die totale Hinwendung zur Negritude [d.h. zum schwarzen Selbstbewußtsein] erfolgte erst in der zweiten Hälfte der 70er Jahre, nach der Befreiung der portugiesischen Kolonien in Afrika, mit der LP Refavela. In diesem Werk, das damals sehr mißverstanden wurde (die Musikkritik in Brasilien ist ebenso miserabel wie die Literaturkritik[O-Ton Risério]), tauchte Gil tief ein. Er rief einen überlieferten afrikanischen Historiker (den Geist" Babá Alapalá) auf den Plan, legte seine internationalistische Veranlagung im Verhältnis zur schwarz-afrikanischen Frage dar, und er studierte im kreativen Fortbestand seiner Leute inmitten der Schimmer und Miseren der städtisch-industriellen Gesellschaft Brasiliens. Das ist, zusammengefaßt, die Bedeutung von Refavela, einem der dichtesten und leuchtendsten Werke Gils. Von da an wurde die Suppe nur noch reichhaltiger. Die Alben Refavela, Realce, Luar und Um banda um zeigen eindrücklich die Wallfahrt Gils im Universum der schwarzen und mischlings-schwarzen Bewegung im nationalen und internationalen Rahmen. Unter uns gesagt, hier war das Engagement Gils organisch und unverzichtbar. Gil machte es sich zur Aufgabe, dem großen Publikum die Dialektik der mischlings-schwarzen Präsenz in der Geschichte Brasiliens zu verdeutlichen. Und dies, ohne die Hautfarbe zum Fetisch zu erheben. *aus: „Gil: pontos de luz" von Antônio Risério;
nachzulesen in: „Songbook Gilberto Gil Band 1", Hrsg. Almir Chediak
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